Into the Great Nothing

Wenn man in einer Stadt ankommt und gleich das Gefühl hat, dass es draußen in der Wüste interessanter war, dann ist das kein gutes Zeichen. Welche armen Teufel wohnen wohl in Barstow, Kalifornien? Viele können es nicht mehr sein, an der Hauptstraße stehen zehn von zwölf Geschäften leer. Nur die großen Supermärkte und Fast-Food-Ketten haben überlebt. Die lokale BMX-Jugend trifft sich beo Hungry Jack’s. Zum Glück bleiben wir nur eine Nacht.

Angereist sind wir von Ventura, und da wir sowieso quer durch L.A. fahren mussten haben wir gleich noch mal an unserer Lieblings-Eisdiele „Cantaloop“ am Hollywood Blvd angehalten… :-) Bei der Gelegenheit haben wir uns auch das Hollywood Sign aus der Nähe angeschaut, aber das war’s dann auch endgültig mit L.A.

Kaum haben wir die Stadt hinter uns gelassen wird es trocken, steppenhaft, wüstenartig. Bei einem kleinen Zwischenstop am Cajon-Pass bekommen wir zum ersten Mal die sengende Hitze zu spüren. Hier werfen wir einen Blick auf die Mormon Rocks, ein sichtbares Stück der San-Andreas-Verwerfung. Erinnert mich spontan an Kata Tjuta (The Olgas) in der Nähe des Ayers Rock in Australien. Nur etwas kleiner und nicht rot.

Nach der Nacht in Barstow fahren wir weiter Richtung Vegas, aber nicht auf dem direkten Weg. Wir wollen die Mojave-Wüste durchqueren. Schon vorher fragen wir uns, wie viel wüstenhafter es eigentlich noch werden kann. Als wir in das Mojave-Tal gelangen sehen wir: nicht viel mehr, aber ein bisschen geht noch. Karge Büsche stehen nur noch einzeln, nicht mehr in puscheligen Grüppchen. Manche sehen regelrecht verbrannt aus. Und die Kelso Dunes sind schließlich echte Sanddünen.

Die Trockenheit, die Hitze, die kargen Bergketten, die das Große Nichts umgeben, sind beeindruckend. Das einst verlassene und nun touristisch erschlossene Kelso Depot, ein ehemaliges Eisenbahndepot an der einzigen wichtigen Kreuzung in der Mojave-Wüste, ist mit seinem bewässerten Rasen und den großen, fast 100 Jahre alten Palmen wie bunte Süßigkeiten für die Augen.

Auf dem Weg aus der Wüste freunden wir uns noch mit einem Joshua Tree an, diesen großen kakteenhaften und charakterisitsch krumm gewachsenen Bäumen. Nachdem er mich ordentlich in den Finger gepiekst hat springen wir schnell ins Auto, bevor ein Unwetter über uns hereinbricht. Na gut, der größte Teil der Regenfront zieht an uns vorbei, und die paar Tropfen die unsere Windschutzscheibe treffen verdampfen so schnell, dass ich den Scheibenwischer kaum anschalte. Aber die dunklen Wolken und der Regenschleier, der über die bis eben noch strahlend besonnte Wüste wandert, wirken beunruhigend. Da sag doch noch einer in der Wüste sei nichts los.