CSI Los Angeles

Was praktisch alle L.A.-Reisenden vorher erzählt haben finden wir nun auch bestätigt: Los Angeles ist touristisch gesehen etwas langweilig. Die Stadt kommt mir vor wie eine ärmlichere Version von Miami. Downtown gibt es ein schickes, aber lebloses Geschäftsviertel mit Wolkenkratzern, daneben das Civic Center mit den Administrationsgebäuden, das Ganze umgeben von abgewetzten Straßenzügen mit kleineren Ramschläden. Prägend für die Stadt ist die Mischung aus Mexikanern, Afro-Amerikanern, Asiaten, dem Busfahrer aus Peru, dem Typen aus Kingston, Jamaica, der uns ungefragt was über den ethnischen Schmelztiegel erzählt. Weiße gibt’s auch, in öffentlichen Verkehrsmitteln sind wir aber häufig die Einzigen.

Natürlich gibt es auch touristische Highlights. Dazu gehört neben dem obligatorischen Abstecher nach Beverly Hills klar Hollywood, das man mit einem halbtägigen Spaziergang bei gesenkten Blick auf den Boden (um die im Bürgersteig verewigten Stars des Walk of Fame zu bewundern) ganz gut abfrühstücken kann. So richtig Eindruck hinterlässt es aber nicht. Kein roter Teppich, keine echten Stars, nur als Spiderman, Marilyn oder Darth Vader verkleidete Touri-Foto-Kumpanen, und selbst das Hollywood-Sign ist kleiner als erwartet. Das „Hard Rock Cafe Hollywood“ ist – anders, als man es erwarten würde – kein audiophiles Restaurant. Die Beschallung ist recht laut und so stark komprimiert, dass man ständig das Gefühl hat, in der Disco zu essen. Die bräuchten neben dem Küchenchef dringend einen Ton-Gourmet. Wobei der der „BBQ Bacon Cheeseburger“ auch preislich übersteuert und eher schmalbandig gewürzt war. Aber es ist trotzdem schön, mal hier gewesen zu sein, im Mekka des Showbiz.

Ein bisschen Hollywood-Feeling wird dann doch noch geboten. Während wir bei Einbruch der Dunkelheit im „Cantaloop“ einen selbstgemischten Eisbecher genießen, rasen ein paar Polizeiautos den Hollywood Blvd runter. Später ist eine der Metro-Stationen wegen eines „medizinischen Notfalls“ gesperrt, und zurück im Hotel rechnen die „Eye Witness News“ für uns eins und eins zusammen: Mord in der U-Bahn. Ein Passagier hat auf einen anderen mit einer Kette eingeschlagen, daraufhin hat der den Angreifer erstochen und ist auf seinem Skateboard geflüchtet. Das Sheriffs Department ermittelt, vermutlich unterstützt von den Profis der Crime Scene Investigation.

Ein wirkliches Highlight war für uns eine deutlich kulturellere Einrichtung. Mit einer kleinen, fast futuristischen Bahn fahren wir hinauf zum „J. Paul Getty Center“, das sich mit seiner modernen, weißen Architektur vom strahlendblauen Himmel ahebt. Umgeben wird es von einer zum Picknicken und Rumwandern einladenden Gartenanlage voller Blumen, Kakteen, einem künstlichen Bachlauf und einer beeindruckenden Aussicht über das diesige L.A. Vor lauter Idylle vergisst man leicht, auch mal in das Museum reizugehen und sich die Meisterwerke von Monet, van Gogh, Degas und praktisch allen anderen Künstlern von Weltrang anzuschauen. Der Eintritt ist frei. Ein Ort zum Wohlfühlen. Besten Dank, Mr. Getty.