Atomic City

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Ich kann mich nicht entscheiden: soll ich schockiert oder begeistert sein beim Anblick des Las Vegas Strip? Innerhalb von 15 Minuten läuft man unterm Eiffelturm durch, am Forum Romanum vorbei, sieht die komplette Skyline von New York und endet schließlich unter künstlichem Tageshimmel an den venezianischen Kanälen samt singendem Gondoliere. Guckt man sich noch mehr um so sieht man versinkende Piratenschiffe, ausbrechende Vulkane, großartige Fontänenspiele… und währenddessen wird man von einem 40 Grad warmen Wüstenwind angefönt. Der ist allerdings das einzige, was echt ist.

Es braucht eine Weile, aber der Kitsch ist so gut gemacht, dass ich von der Masse bald wie in Zuckerwatte eingewickelt bin und mich von der Süßigkeit begeistern lasse. Und plötzlich denke, dass zwei Tage hier gar nicht genug sind.

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Allerdings sind es nur die Abende, die Spaß machen. Tagsüber ist die Hitze unerträglich, und wenn man wie ich kein Poolschwimmer ist, dann sucht man sich einen anderen klimatisierten Ort zum Anschauen. Zum Beispiel das „Atomic Testing Museum“. Dort erfährt man viel Interessantes über die (natürlich nur dem Frieden dienenden) Kernwaffentests auf der Nevada Test Site, kaum 150km nördlich von Las Vegas. Dort fanden bis 1992 fast 1000 Atombombenexplosionen statt, die meisten allerdings unterirdisch. Vom historischen Kontext bis zu technischen Details wird alles ernsthaft anschaulich, aber nicht oberflächlich erläutert. Nur die kritische Auseinandersetzung kommt etwas kurz. Trotzdem ist es eines der gelungensten Technikmuseen, die ich bisher besucht habe.

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An unserem letzten Abend wagen wir in unserem Hotel und Kasino „Treasure Island“ dann noch, weswegen ja alle anderen hier sind. Eine ganze Weile lang schauen wir den anderen beim Blackjack zu, bevor wir uns selbst an den Tisch trauen. Mit 50 Dollar Spielkapital gehören wir allerdings zu den Kleinstfischen. Aber wer wenig hat ist vorsichtiger, und so schaffen wir es in zwei Runden annähernd die Bank zu sprengen und jeweils 20 Dollar Gewinn zu scheffeln. So gehen wir mit fast verdoppelten Spielvermögen in unserer luxuriöses Zimmer zurück. Für eine Flasche Sieges-Champagner reicht der Gewinn leider nicht. Das nächste Mal setzen wir eine Millionen!