5 Nationalparks in 5 Tagen

Der Tag nach dem Aufstieg. Ich bin ausgeschlafen. Meine Beine… ich wünschte ich könnte sagen: „Ich spüre meine Beine nicht mehr.“ Aber sie sind noch lange nicht ausgeschlafen. Aufstehen wird eine Herausforderung. Wie ein Zombie wanke ich durch den Flur zum Bad um hoffe, dass mich die Dame vom Zimmerservice nicht sieht. Aber zum Glück haben wir in den nächsten Tagen ein ruhiges Programm. Auf dem Plan stehen drei Canyons und zwei Valleys in drei Bundesstaaten. Klingt gut für müde Beine, oder?

Tag 1: Monument Valley

Tag Eins nach dem Grand Canyon beschert uns erst mal eine lange Autofahrt nach Utah. Dank Tempomat und Geschwindigkeitsbegrenzung muss man zum Autofahren die Beine praktisch nicht benutzen. Und an unserem Ziel, dem Prototypen der besonders amerikanischen Landschaft, müssen wir noch nicht mal aussteigen. Eine mehrere Kilometer lange  Piste führt um die Tafelberge des Monument Valleys herum, und Fotos kann ich auch prima aus dem Auto machen :)

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Übrigens sehen erstaunlich viele der Berge im Profil aus wie ein Elefant mit gerade erhobenen Rüssel in Form einer vorgelagerten Steinsäule. Bis auf den „Elephant Butte“, der nicht im Entferntesten an seinen Namensgeber erinnert.

Das Monument Valley, dass mir aus Film und Fernsehen schon so vertraut ist, mit eigenen Augen zu sehen, ist ein ähnlich mystisches Erlebnis, wie den Ayers Rock zu sehen: es ist ein Umweg, der sich lohnt.

Tag 2: Antelope Canyon

Nach einer Nacht in Page, Arizona, schauen wir uns drei Sehenswürdigkeiten ganz in der Nähe an. Zuerst den Horseshoe Bend, an dem der Colorado River eine spektakuläre 180-Grad-Kurve schlägt, und das in einem 300 Meter tiefen Canyon. An der oberen Klippe habe ich deutliche Probleme, das ganze Bild auf ein Foto zu bannen.

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Weniger tief, aber noch fototrächtiger ist der (Lower) Antelope Canyon. Wir zwängen uns durch eine wenige Zentimeter breite Spalte in dem Boden, winden uns um abgerundete Felsvorsprünge und balancieren schmale, in den Fels eingelassene Metalltreppen herunter. Dann folgen zwei Stunden freie Motivwahl – meine Kamera und das Stativ waren überzeugend genug, dass ich als Fotograf einen „Photo Permit“ bekommen konnte und so nicht an die einstündige geführte Tour gebunden bin. In zwei Stunden kommen auf wenigen hundert Metern über 150 Bilder zusammen. Es wären noch mehr, wenn ich nicht wegen der schwierigen Lichtverhältnisse immer vom Stativ aus fotografieren müsste. Und wenn die zwei Stunden nicht so schnell vorbei wären. Das Handybild gibt den Eindruck wohl nur unvollständig wieder, aber der Canyon ist wirklich atemberaubend schön.

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Danach fahren wir noch zum Glen Canyon Dam, einem Staudamm, der den Colorado zwecks Wasserversorgung von ganz Südwestamerika aufstaut und den Glen Canyon in den gigantischen Lake Powell verwandelt hat. Mitten in der Wüste ist so gleichzeitig ein Frezeit- und Erholungsgebiet entstanden. 500 Meilen vom Meer entfernt baden wir zum ersten Mal entspannt – der Pazifik war verdammt kalt.

Tag 3: Bryce Canyon

In Mount Carmel Junction, Utah, einem Ort, der eigentlich nur aus einer Kreuzung mit Tankstelle besteht, finden wir erst unser Motel nicht. Es liegt nämlich eine Meile von der Kreuzung entfernt, aber natürlich nicht in die Richtung, in die wir abgebogen sind.

Dafür ist dies ein guter Ausgangspunkt für die nächsten beiden Nationalparks.

Der Bryce Canyon ist eigentlich gar kein Canyon, da er durch Erosion und nicht durch einen Fluss entstanden ist. Übrig geblieben ist ein Talkessel, in dem bis zu 60 Meter hohe Felsnadeln, sogenannte „Hoodoos“, stehengeblieben sind. Durch verschiedene Gestrichensschichten ist das ganze Amphitheater rot und weiß gestreift.

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Tag 4: Zion National Park

Den letzten Park in Utah besuchen wir am Labour Day, was hier ein großer Feiertag ist, daher ist der Parkplatz am Besucherzentrum fast voll. Das Wetter ist erstmals nicht in Feierlaune und gibt sich bedeckt und leicht regnerisch. Aber das macht uns nichts aus, wir werden sowieso nass.

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Das Highlight im Zion NP sind nämlich „The Narrows“, der schmale Teil des Zion Canyon, der gerade so breit ist wie der Virgin River, der ihn gegraben hat. Diesen wandern wir eineinhalb Stunden flussaufwärts entlang – im Fluss! Der reicht meistens nicht über die Knie, an einigen Stellen aber bis zur Brust. Als wir uns die Rucksäcke über den Kopf halten und durch das 17 Grad kalte Wasser waten, fühlen wir uns wie auf abenteuerlicher Expedition.

Tag 5: Death Valley

Die Abkühlung von gestern wird heute mehr als wett gemacht. Im Death Valley zeigt unser Autothermometer 113° Fahrenheit, also 45° Celsius. Im Badwater Basin, dem tiefsten Festlandspunkt der westlichen Hemisphäre, zeigt 86 Meter über uns ein Schild an der Felswand den Meeresspiegel an. Ein komisches Gefühl. Allerdings würden wir gerne das bisschen Salzwasser, das noch nicht ausgetrocknet und in eine dicke Salzkruste verwandelt ist, gegen 86 Meter frisches une kühles Meerwasser tauschen.

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Hier im Tal des Todes ist der Punkt erreicht, an dem ich kein schlechtes Gewissen mehr habe, den Motor laufen zu lassen, während wir kurz zum Fotos schießen aussteigen. Es wird in Sekunden heiß im Auto, aber es dauert ziemlich lange, bis die Klimaanlage wieder eine vertretbare Temperatur erarbeitet hat. Nicht nur unsere Kühlwassertemperatur steigt um 25 Grad Celsius an, auch der Benzinpreis ist 2 Dollar pro Gallone (ca. 75 Euro-Cent pro Liter) höher, als außerhalb des Valleys. Zum Glück ist unser Tank voll.

Das Death Valley setzt in Punkto Wüste noch mal einen neuen Maßstab. War die Mojavewüste noch karg, so ist es hier endgültig so freundlich wir in einem Mondkrater. Kaum zu glauben, dass Siedler im 19. Jahrhundert mit Planwagen durch diese menschenfeindliche Einöde gezogen sind. Ohne Klimaanlage.

Und doch verstecken sich hier einige wunderbare Anblicke. Die „Artists Palette“ sieht aus, als hätte sich der liebe Gott auf einer Bergkette die Farben bereit gelegt, mit denen er den Rest der Welt anmalen wollte: Rot, Rosa, Pink, Grün, Gold, Braun und Weiß sind wie zufällig auf den Hügeln verteilt. Der berühmte Zabriskie-Point lässt uns wie aus dem Weltraum auf eine verkleinerte Canyon-Landschaft gucken.

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Wieder raus aus dem Tal geht es, in dem wir die eineinhalbtausende Meter, die wir erst rauf und dann runter gefahren sind, wieder rauf und wieder runter fahren (das Kühlwasser lässt grüßen), nur um eine andere Bergkette wieder raufzufahren: die Sierra Nevada. In diese eingebettet liegt der Yosemite Nationalpark, in dem wir die nächste Woche mit dem Zelt verbringen. Und ohne Internet. Ich melde mich hiermit ab.