Das Zentrum der Welt

Damals konnten sie es ja noch nicht gewusst haben, welche Rolle die amerikanische Nation einmal in der Welt spielen wuerde. Wenn wir heute durch die National Mall mit ihren majestaetischen Monumenten wandern und am Weissen Haus vorbeischlendern, dann koennen wir nicht anders als zu denken: hier haben die Amerikaner das Zentrum der Welt errichtet. Politisch, ideologisch, architektonisch. Die politische Macht erschlaegt mich aber deutlich weniger, als ich erwartet hatte. Die beeindruckenden Bauwerke, die noch intensivere Sicherheitspraesenz (in das Capitol duerfen wir nicht mal unsere Suessigkeiten mitnehmen), das laesst uns nicht vergessen, wo wir uns befinden. Die Sauberkeit und Ordnung ist beeindruckend.

Die Strassen der Stadt sind aber leer. Wenige Fussgaenger, wenig Verkehr. Sogar wenige Touristen, ausser an den optischen Hotspots Capitol und Lincoln Memorial, aber selbst am Weissen Haus halten sich nur ueberschaubare Gruppen auf. Washington wirkt an manchen Ecken wie ein Freizeitpark: man laeuft den ganzen Tag durch schoene Parks und an praechtigen Bauwerken vorbei, die man aber (aus Sicherheitsgruenden) nicht betreten kann – sie koennten genau so gut schoen bemalte Pappkulissen sein. Seit 9/11 gibt es statt der Originale vielerorts nur ein Visitors Center mit Fotos und ein paar Ausstellungsstuecken.

Der Besuch hier erinnert mich an meinen Abstecher zum Ayer’s Rock in Australien: man muss einfach dort gewesen sein, aber es erschoepft sich recht schnell. Uluru fand ich allerdings aufgrund seiner Naturgewalt beeindruckender, Washington ist eben voll durchkonstruiert und gewollt bombastisch.

Trotzdem: es lohnt sich. Und sicher lohnen wuerde sich auf ein Besuch in den Weltklassemuseen vom Smithsonian bis zum International Spy Museum. Aber dafuer haben wir mal wieder keine Zeit – drei Wochen sind einfach zu wenig fuer die Ostkueste… nunja, morgen frueh geht’s auf nach Florida, vielleicht kommt ja jetzt wirklich der Urlaubsteil des Urlaubs ;-)

Das Nachtleben in Washington scheint uebrigens ziemlich lebendig zu sein. Wir haben nur ein kleinen Eindruck bekommen, aber auf den Strassen war nachts deutlich mehr los als tagsueber, an einer Kreuzung beigeisterte eine komplette New Orleans Jazz Combo die Passanten, und die German Brewery war randvoll mit Liebhabern des wohlschmeckenden Maerzen – das allerdings nach unseren Massstaeben eher ein Leichtbier war.