Sim City

Long time no see… Reisetrubel und vor allem ein defektes Handy haben mich daran gehindert, ausfuehrlich von der weiteren Reise zu berichten. Das Handy geht teilweise wieder, und das Wetter ist gerade so schlecht, dass wir in Noosa im Hostel festsitzen, die Waesche draussen auf der Leine zum sechsten Mal durch Tropensturzregen gewaschen wird und ich mit den Reisebereichten etwas aufholen kann.

Die restliche Zeit in Perth war noch sehr schoen, vor allem war das Wetter bombig. Eine Wolke am Himmel war eine regelrechte Sensation, meistens spannte sich nur eine glattblaue Flaeche von Horizont zu Horizont – was auf die Dauer auch ermuedend sein kann, ploetzlich vermisst man das europaeische Mischwetter (angesichts des Regens draussen vermisse ich jetzt allerdings eher die Perth’sche Sonne…). Perth selbst wirkt an manchen Ecken wie Sim City – aufgeraeumt, geplant, sauber. Der King’s Park nahe des Stadtzentrums bietet eine tolle Aussicht ueber die Skyline und ist eine riesige Gruenanlage mitsamt bontanischem Garten und australischem Buschland – so gross, dass sich schon mal jemand darin verlaufen hat und verdurstet ist… Wir sind nicht so weit gewandert und haben uns an die regulaeren Wege gehalten, wie zum Beispiel den Treetop Walk, eine Bruecke durch die Baumwipfel des Parks. In den Abendstunden haben wir im Park gepicknickt – ein beliebtes Hobby der Australier, und sehr angenehm, wenn die Hitze des Tages nachlaesst.

In der Umgebung von Perth gibt es nette Orte zu entdecken. In Freemantle, dem Hafen der Stadt, gibt es Maerkte mit allerlei Touri-Nepp, aber vor allem auch jede Menge lokalem Obst und Gemuese. Frische Mangos oder Passionsfruechte schmecken hier wirklich saulecker, kein Vergleich mit der Auswahl im deutschen Supermarkt. In Australien ist auch Cider recht verbreitet, und eine Mosterei haben wir besucht. Die Lage in einem kleinen Tal erinnerte uns etwas an das Napa Valley in Kalifornien, und auf der schattigen Aussenterrasse liessen sich die verschiedenen Cider-Varianten von Apfel/trocken bis Birne/suess gut geniessen.

Ein etwas spektakulaereres Ausflugsziel waren die Pinnacles, eine Mini-Wueste direkt an der Kueste, die von saeulenartigen Gesteinsformationen gepraegt wird. Fruehe Seefahrer, die die Pinnacles vom Schiff auf sahen, vermuteten hier die Reste einer antiken Siedlung. Tatsaechlich sind die Steinsaeulen aber natuerlichen Ursprungs, nach der aktuell herrschenden Theorie handelt es sich um die versteinerten Reste eines ehemaligen Waldes, die durch Erosion freigelegt wurden.

Natuerlich sind sind wir auch der lokalen Tierwelt begegenet. Kakerlaken haben wir zum Glueck nur ausserhalb des Hauses gesehen, und die aehnlich unheimliche Maulwurfsgrille ist uns beim Waesche aufhaengen um die Fuesse gelaufen. Die Netze der gefaehrlichen Redback Spider sind in den australischen Gaerten allgegenwaertig, aber vom Anblick der Spinne blieben wir verschont. Stattdessen haben wir uns lieber mit freundlicheren Tieren beschaeftigt, zum Beispiel dem Kookaburra, einem grossen weiss-braunen Vogel mit blauen Flecken, der seinen Namen wegen seines lachenden „Gesangs“ traegt; und natuerlich den Kaenguruhs – in Perth leben sie tagsueber im schattigen Buschland und versammeln sich zur Abenddaemmerung auf einem Friedhof, um dort zu grasen. Eine idyllische Szene!

Perth, Freemantle