Rainbow Six

Schon auf der Segeltour hatte sich erster Regen unangenehm bemerkbar gemacht, aber erst auf der nächsten Tour wurde er zum Showstopper. In Hervey Bay, unserem Hafen für die Überfahrt nach Fraser Island, erschien der Regen noch als schöner Regenbogen auf dem Meer. Allerdings genau in der Richtung, in die auch unsere Fähre fahren würde.

Fraser Island ist eine langgezogene Sandinsel, etwa 120km lang und 25km breit. Bis auf eine Felsformation besteht die Insel wirklich nur aus Sand, was an sich schon besonders ist. Auf Fraser gibt es dazu sehr unterschiedliche Vegetationen, von tropischem Regenwald (der auf reinem Sand eigentlich nicht gedeihen kann) über Eukalyptuswälder und Buschland bis hin zu einer Wüste, die eigentlich eine große Wanderdühne ist. Das alles wird von einem gigantischen Süßwasserdepot unter der Insel gespeist, das drei Mal so viel Wasser enthält wie der gesamte Hafen von Sydney. Sogar Seen und Flüsse haben sich auf dem Sand gebildet – eigentlich auch undenkbar, denn das Wasser müsste sofort im Sand versickern. Schichten aus Blättern und Pflanzenteilen dichten den Boden an einigen Stellen aber so ab, wie die Plastikfolie den Gartenteich.

Fraser ist weitgehend unbewohnt und wurde zwecks Holzfällerei erschlossen, die aus Naturschutzgründen aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr praktiziert wird. Ein Straßennetz gibt es nicht, nur die Sandpisten, die von den Holzfällern für Pferdekarren in den Wald geschlagen wurden, werden heute als Straßen genutzt – nur befahrbar mit einem wirklich guten Allradantrieb. Unser Tourbus hatte so einen, hergestellt von MAN in Deutschland, wie unser Guide Warren betonte. Die Fahrt über die Sandpisten fühlt sich an wie ein Flug bei schlimmen Turbulenzen. Etwas angenehmer ist es auf dem 75-Mile-Beach, einem offiziellen australischen Highway, der wegen der vorherrschenden Strömung zum Baden sowieso nicht geeignet wäre.

Im Bus haben wir allerdings die meiste Zeit verbracht. Schon das erste Highlight, der Lake McKenzie, der auf Postkarten kristallklar und in der Mitte dunkelblau aussieht (und den ich auch schon so gesehen habe), zeigte sich uns in einem unschönen graugrün, denn er reflektiert die Farbe des Himmels. Für ein kurzes Bad reichte es noch, dann fing es an zu regnen. So richtig. Und es hörte im Wesentlichen 10 Tage lang nicht mehr auf.

Am zweiten Tag der Fraser-Tour konnte Warren uns noch in ein paar Wolkenlöcher navigieren, so dass wir zumindest einige Sehenswürdigkeiten erleben konnten. Im Eli Creek, einem der kleinen Flüsse auf Fraser, kann man sich einfach ins kühle und glasklare Wasser legen und 200m weit an den Strand treiben lassen, wo der Creek ins Meer fließt. Ganz in der Nähe ist vor bald 80 Jahren ein ehemaliger Luxusliner nach bewegter Lebensgeschichte wortwörtlich auf Sand gelaufen. Damals ragte das Schiff noch etliche Stockwerke über den Strand, heute sind kaum noch zwei Meter des rostigen Gerippes zu sehen.

Vom Indian Head, der einzigen Steinformation der Insel, hat man einen guten Überblick über den 75 Meilen langen Strand. Wir konnten sehr schön beobachten, wie der südliche Teil vom Regen eingenebelt wurde. Insofern waren wir zwar traurig, dass wir Fraser nicht von ihrer strahlenden Seite sehen konnten, aber wir waren nicht ganz so traurig, die Insel wieder zu verlassen. Hätten wir gewusst, was uns wettermäßig noch erwartet, wären wir lieber geblieben.

Fraser Island, Byron Bay

Der nächste Stopp auf unserer Reise war Noosa, wo wir eine Kanutour durch die Everglades (ausgedehnte Sümpfe, genau wie ihre amerikanischen Namensvettern) unternehmen wollten, und dann noch ein paar Tage am Strand entspannen. Dummerweise war das schlechte Wetter mit uns rückwärts gereist, und statt Sumpf und Strand hatten wir nun vier Tage Zeit zum Lesen. Wenigstens war das Hostel sehr schön. Der Regen war so penetrant, dass ich in Noosa kein einziges Foto geschossen habe.

Danach ging es weiter nach Byron Bay, dem Bade- und Surferparadies. Zumindest bei gutem Wetter. Wir wurden zwar von einer tollen Brandung begrüßt, aber der dunkle, wolkenverhangene Himmel lud nicht gerade zum Baden ein. Die Surfer hat das allerdings nicht abgehalten.

Auch hier hatten wir ein tolles Zimmer, und Paddy, unser Vermieter, war ein echtes Aussie-Original, der eigentlich nur zwei Sätze kannte: „No worries!“ und „Good on ya, mate!“. Mit seinem guten Humor („At least you won’t forget your stay here.“) hat er uns ein bisschen durch die Regentage geholfen. Und in den kurzen Regenpausen haben wir auch etliche exotische Tiere beobachten können. Nachmittags besuchte uns im Garten ein großer Lizard, der vor lauter Neugier fast in unser Zimmer gelaufen wäre (und er kann auf seinen Hinterbeinen verdammt schnell laufen!). Und im Baum vor unserem Haus tummelte sich abends eine ganze Kolonie bunter Vögel, die sich mit lautem Gezanke gegenseitig von Ast zu Ast jagten.

Immerhin einen Tag machte das Unwetter Pause, und wir konnten uns mit geliehenen Fahrrädern schnell die Byron-Highlights anschauen; vor allem den östlichsten Punkt des australischen Festlandes, der auf einer steilen Klippe mit einem markanten weißen Leuchtturm liegt und einen guten Ausblick auf das Meer und die Strände von Byron Bay bietet. Zum Baden sind wir dann auch noch gekommen.

Statt Happy End in Byron überbrachte uns der Fahrer unseres Greyhound-Busses am Abreisetag aber eine Hiobsbotschaft: er führe nicht nach Port Macquarie, unserem nächsten Ziel, denn durch das tagelange Unwetter sei der Pacific Highway überschwemmt und die Route nach Süden nicht befahrbar. So mussten wir wohl oder übel umplanen, uns erst mal eine weitere Nacht bei Paddy einbuchen, und dann einen Flug von Byron direkt nach Sydney buchen. Eine gute Entscheidung, denn der Highway blieb noch einige Tage gesperrt…