Mosquito Coast

1. Cairns, Green Island und Kuranda

Aus der trockenen Hitze geht es weiter in die Tropenhölle – naja, ganz so schlimm ist es nicht, es ist zwar feucht in Cairns, aber nicht unerträglich heiß. Ein Ventilator im Zimmer ist aber das Mindeste, um halbwegs gut schlafen zu können.

Cairns begrüßt uns ganz Jahreszeit-gerecht mit dicken Wolken und gelegentlichen Schauern. Die Regenzeit geht dem Ende entgegen, aber sie ist noch nicht vorbei. Das Neonlicht der Restaurants an der Strandpromenade spiegelt sich auf dem nassen Asphalt und erinnert uns an den Ocean Drive in Miami Beach. Nur der Strand fehlt – das bisschen, was es gibt, ist unansehnlich, und wegen der Quallen kann man an der Nordostküste Australiens zu dieser Jahreszeit nicht beruhigt Baden. Die beiden tödlichsten Quallenarten leben hier, dazu kommen einige Exemplare, die von Brennessel-Pieksern bis hin zu schlimmen Schmerzen alle möglichen Unannehmlichkeiten auslösen können. Um das Strandproblem zu kompensieren hat Cairns einen großzügigen öffentlichen Pool, in dem es sich bis spät Abends entspannt baden lässt.

Da sich die Quallen vorwiegend in Küstennähe und nicht so sehr um Inseln herum aufhalten sind sie kein Problem für unseren Tagestrip nach Green Island. Die winzige Insel liegt am Rande des Great Barrier Reef und nur eine Stunde von Cairns entfernt. Hier kann man schnorcheln und Korallen und bunte Tropenfische beobachten, ohne sich auf den offenen Ozean wagen zu müssen. Man kann die Insel auch in etwa einer halben Stunde zu Fuß umrunden. Ich bin zum dritten Mal hier, und zum dritten Mal komme ich nicht dazu. Das Leben im Meer ist doch zu spannend.

Als wir auf der Insel ankommen ist erst mal gar kein Strand da – die Sonnenliegen stehen fast im Dschungel. „Today’s the highest tide of the year. But no worries, mate, it’ll be gone soon.“ Wir können dem Wasser auch fast beim zurückweichen zuschauen, schon nach einer Stunde ist ausreichend Strand vorhanden. Den brauchen wir aber kaum, die meiste Zeit sind wir im Wasser und beobachten kleine gelbe Fische, mittelgroße bunte Fische, große silberne Fische, ziemlich große blaue Fische. Und schließlich eine extrem große Meeresschildkröte, die durch das Wasser gleitet, wie eine Möwe durch den Seewind. Ich kann kaum so schnell hinterherschwimmen, während sie sich „im Flug“ kleine Quallen einverleibt.

Das dicke Ende unseres Ausflugs kommt am Abend: Sonnenbrand. Dabei haben wir so aufgepasst, aber beim Schnorcheln hilft für uns Weißkäseeuropäer wohl nur ein Ganzkörperanzug. Aber der nächste Tag wird diesbezüglich unproblematisch: ein Ausflug mit der Skyrail, einer Seilbahn durch und über den Regenwald, beginnt im Regen. Was im Regenwald wirklich stilecht ist, vor allem wenn der Regen nachlässt und alles im Dunst verschwindet.

Wir bekommen Regenschirme und eine Führung von einem Aborigene-Ranger. Der hält die Schirme aber für überflüssig („It’s not raining, mate!“ – ich möchte gar nicht wissen, ab wann er Regen als Regen betrachtet) und erklärt uns, welche Regenwaldfrüchte wir zum Essen, Würzen oder als Wasserquelle benutzen können, oder um Leute, die uns nerven, für zwei Stunden blind zu machen.

Der Ort Kuranda, in dem die Seilbahn endet, ist als Hippie-Kommune und durch seine Kunsthandeerksmärkte bekannt geworden. Inzwischen gibt es hauptsächlich Touri-Nepp, und wir sind froh, als wir mit der historischen Scenic Railway durch die Berge und vorbei an Wasserfällen zurück nach Cairns rattern können.

2. Whitsunday Islands

Der nächste Stopp in Airlie Beach ist „nur“ eine zwölfstündige Nachtbusfahrt entfernt, und Airlie dient uns auch nur als sprichwörtlicher Hafen für eine zweitägige Segeltour durch die Whitsunday Islands. Der eher wortkarge und sarkastische Kapitän Simon und seine quirlige erste Offizierin Megan heißen uns und 12 weitere Passagiere aus Schweden, England, Deutschland und den USA auf der Southern Cross, einem ehemaligen Rennboot willkommen und sorgen für gute Laune und gute Aussicht. Die Whitsundays sind eine Gruppe von 70 fast unbewohnten grünen Tropeninseln. Wir segeln, schnorcheln, entspannen an Deck, helfen beim Segel setzen und genießen den Sonnenuntergang.

Der Whitehaven Beach, den wir auch ansegeln, gehört zu den Top-5-Stränden der Welt. Der weiße Sand dort besteht zu 98% aus Quarz und ist so fein, dass die NASA angeblich einige Tonnen davon gekauft hat, um daraus die Linsen des Hubble Space Telescope zu bauen. Unser Badenachmittag dort wird doppelt feuchtfröhlich – von unten kommt warmes Ozeanwasser, von oben kalter Regen. Aber Dank unserer lustigen Gruppe kommt nie schlechte Laune auf, und am Ende werden wir doch noch mit Sonne und einem tollen Ausblick auf das blaugrüne Meer versöhnt.

Die Nacht auf dem Boot ist anstrengender, als eine Nacht im Bus. Unter Deck ist es heiß, und als es anfängt zu regnen und die Luken geschlossen werden müssen wird es unerträglich stickig. Ich kann so nicht schlafen und lege mich an Deck, wo der Regen schon nachgelassen hat. Als der Himmel aufreißt und die Sterne zum Vorschein kommen kann ich dennoch nicht schlafen. Fernab der Zivilisation und ohne Licht um mich herum erscheinen so viele Sterne, dass ich mich gar nicht sattsehen kann. Die Milchstraße ist ein dickes Band, dass sich quer über den Himmel zieht. Da kann mich auch die nächste dicke Wolke und der kurze Regenschauer, den sie mitbringt, nicht unter Deck treiben.

Green Island, Kuranda, Whitsunday Islands Sailing Trip