Reisevorbereitungen 2.0

  • Sparschwein geplündert: check.
  • Sonnenbrille eingepackt: check.
  • Musik auf den iPod geladen: check.

Auf geht’s zur nächsten großen Erzählung. Die letzte ist schon zwei Jahre her… und nach der Reise an die US-Ostküste war mir klar, dass die Westküste in nicht allzu weiter Ferne folgen soll. Die weite Ferne ist nun ganz nah: nachher geht’s los.

Schon bei den letzten Reisevorbereitungen habe ich mich darüber ausgelassen, dass das digitale Packen aufwändiger ist, als das Zusammenlegen von T-Shirts und Unterhosen. Inzwischen nimmt die ganze Sache überhand. Google Maps erleichtert nicht nur die Reiseplanung, sondern verführt mich auch dazu, Routen zwecks Anzeige auf dem Smartphone enorm genau planen zu wollen. Dann automatische Suchabfragen für die Geocaches entlang dieser Route einzurichten. Schließlich die Routen in diesem Blog auf Karten anzeigen zu lassen. Dabei viel über digitale Routenformate zu lernen, wie unzulänglich diese von manchen Programmen generiert oder interpretiert werden, und wie viele Tools es gibt, die diese Unzulänglichkeiten (meist nur teilweise) ausgleichen. Nunja, Schluss mit dem Tech-Talk…

Wir fahren durch vier Bundesstaaten (zugegeben – zwei streifen wir eher). Startpunkt ist Los Angeles, und nach etwas Städte- und Küstenbummel fahren wir durch die Mojave-Wüste nach Las Vegas, von dort über die alte Route 66 zum Grand Canyon, weiter zum Monument Valley, Antelope-, Glen- und Bryce Canyon, Zion National Park, wieder über Las Vegas zum Death Valley, und dann östlich der Sierra Nevada entlang und in den Yosemite National Park, bevor es quer durch Kalifornien Richtung Big Sur, um die Bay rum ins Napa Valley und schließlich nach San Francisco geht. Alles in allem also der Klassiker der West-USA-Reisen. Google sagt: 4300km, Fahrtdauer zwei komma eins Tage. Na, dann will ich das mal glauben.

Damit mir die zwei achtunddreißig Tage nicht langweilig werden habe ich etwas klassische Reiselektüre zusammengestellt. Seitdem ich meinen ersten Wallander-Roman in Südschweden gelesen habe weiß ich, dass nichts spannender ist, als Geschichten dort zu lesen, wo sie spielen:

  • Johnston McCulley – The Curse of Capistrano (bekannt als The Mark of Zorro)
    Ein guter Start mit kalifornischen Abenteuer- und Volksheldengeschichten.
  • John Muir – My First Summer in the Sierra
    Für den szenischen Mittelteil der Reise ein Reisebericht vom Vater des Yosemite National Parks.
  • Dashiel Hammet – The Maltese Falcon
    Für das Großstadtfeeling zum Schluss die Mutter aller hard-boiled detective stories.

Als Vorgeschmack und fotografische Anregung habe ich außerdem den Meister der westamerikanischen Landschaftsfotografie bemüht:

Sehr empfehlenswert, aber nicht reisegepäcktauglich. Und im Übrigen ist es wohl auch sinnlos, einen Bildband mit dorthin zu nehmen, wo die Bilder geschossen wurden :-)

Jede Reise hat auch ihre musikalische Prägung. Ob Springsteen oder Skynyrd, Bon Jovi oder Van Halen, sie alle haben ihre Wurzeln in einem Teil Amerikas, und es macht Spaß, sich die Reisemusik nach dem Ziel zusammenzustellen. Beim letzten Mal hat mir noch das Ursprungs-Land des Künstlers gereicht, dieses mal wollte ich genauer hinhören und darauf achten, Musik aus den Orten zu nehmen, die wir besuchen. Was gar nicht immer so einfach ist, oder kennt jemand von euch eine Band aus Grand Canyon Village, Arizona, oder Mount Carmel Junction, Utah? Der Großteil der Westküstenmusik stammt nun mal aus L.A. oder der San Francisco Bay Area, obwohl wir ironischerweise gerade dort gar nicht mit dem Auto umherfahren werden. Aber die psychedelische Rockmusik von Jefferson Airplane, Grateful Dead, The Doors und Hendrix (obwohl der aus Seattle stammt) und meinen neuen Lieblingen Quicksilver Messenger Service taugt ebenso für ausgedehnte Wüstenfahrten wie kerniges Zeuch à la Steppenwolf, Guns n‘ Roses, Audioslave oder gar Kyuss (aus Palm Desert, California!).

Auch wenn ich im Blick auf diese und die letzte USA-Reise das Gefühl habe, bald alles Wichtige gesehen zu haben, weiß ich jetzt schon, dass mich noch weitere USA-Touren reizen würden: natürlich der Frontier-Klassiker, von Chicago aus geradewegs westwärts bis in die Rocky Mountains; aber auch eine Expedition Richtung „Dirty South“, quer durch die Sümpfe der alten Südstaaten und den Mississippi rauf bis Memphis, gäbe musikalisch einiges her…

Aber geplant wird frühestens wieder nächstes Jahr. Jetzt fahre ich erst mal in den Urlaub!

Operation Kakerlake

Klar, warum nicht: letzter Tag in Miami. Es ist heiß, es ist feucht, der South Beach ist großartig, der Ocean Drive leuchtet nachts in voller Neonpracht, während die Mustangposer mit Unterbodenbeleuchtung auf- und ableuchten. Downtown Miami ist zwar schick, aber irgendwie auch unspektakulär; wir vermissen die 5th Avenue.

Heute zum letzten Mal ausschlafen, Wecker noch mal ausschalten, entspannt aufstehen, und dann AAAAAHHHH!!! Kakerlakenalarm. Unser persönliches Exemplar ist voll ausgewachsen, sitzt auf dem Handtuchhalter und scannt mit langen Antennen die Umgebung, um dann langsam die Wand hochzuklettern.

Während ich schlaftrunken und mit unklarem Blick überlege, wie ich einen ekligen Fleck an der sauberen Wand vermeide, kommt eine dunkle Erinnerung an letzte Nacht, wo ich im Schlaf den Eindruck hatte, als würde irgendwas meinen Arm entlang krabbeln. Mein Traumhirn hat daraus zum Glück einen kleinen Gecko gemacht, von denen wir hier in Florida viele sehen. Wer weiß, was es wirklich war… *brrrr*

Aber jetzt konzentrieren. Her mit den Adidas-Tretern (nein, nicht die neu gekauften!), die Kakerlake von der Wand geschubst und das sofort in Höchstbeschleunigung über den Boden rasende Biest (dagegen können die Mustangs abstinken) mit einem lauten Knall ein für alle Mal gestoppt. Das Schreien von Caro, die abgewandt auf dem Bett steht, spielt sich zum Glück in Frequenzbereichen ab, die ich sowieso nicht mehr höre.

Operation gelungen, Patient tot. So soll es sein. Der Fleck hält sich übrigens in Grenzen, aber bäääh! Held sein ist nicht einfach, wurgs. Vielleicht freue ich mich doch auf zu Hause. Aber nur ein ganz bisschen.

Die Luftschlacht um Sanibel Island

Aaaah, Strand. Erholung für die in den Metropolen plattgelaufenen Füße. Abkühlung für die von der Sonne aufgeheizten Köpfe.

Pelikane rocken, Dude! Wie sie auf dem Wasser kreuzen wie ein Schlachtschiff; schwerfällig (verglichen mit den Jagdfliegermöwen) breiten sie ihre weiten Schwingen aus, nehmen langsam, aber unhaltbar wie eine Lokomotive an Fahrt auf, dann der eher komische Moment, wo sie mit ihren Plattfüßen über das Wasser watscheln, um endlich abzuheben, ihr Kampfgewicht vom Boden abzustoßen, um dann wie ein schwerer Bomber knapp über der Wasserkante und tief unter dem Radar nach ihrer Beute zu suchen. Wenn sie einen Fischschwarm finden, die einem im strandnahen Flachwasser zahlreich um die Beine schwimmen, dann stoßen sie ziemlich wendig durch die Wasseroberfläche, ohne sich allerdings um Kollateralschäden zu kümmern: Masse statt Klasse, einen ganzen Pelikanschnabel voller Meerwasser, wird schon was Leckeres drin sein!

Wir sind abgeschnitten vom Rest der Welt. Als wir gestern nach Mitternacht vom Kennedy Space Center (wo wir einem erfahrenen Astronauten die Hand geschüttelt und dem auf einer 747 geschultertem Space Shuttle Discovery beim Landeanflug gewunken haben) kommend das westliche Ende des floridanischen Festlandes erreicht hatten, mussten wir sechs Dollar berappen, um über die Brücke fahren zu dürfen. Damit war klar, dass wir vorerst nicht zurückfahren.

Nach einem herrlichen Strandnachmittag konnten wir beobachten, wie vom Festland her ein fettes Gewitter über die Bucht heranzieht. Die Hochhäuser am gegenüberliegenden Strand verschwanden hinter den Regenvorhängen, unter dem Nebel des verdampfenden Niederschlags. Mordsblitze rasten zur Erde – ein etwas seltsames Gefühl, wenn man gerade im Wasser sitzt -, und der Donner kam rasch näher. Kaum zu Hause wurde das Rauschen der Dusche vom Rauschen des Regens übertönt. Kurz, heftig, tropisch. Ein paar grummelnde Knalle, und dann Peng: Stromausfall. Ganz normal auf einer Insel, meinen unsere Vermieter.
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Welcome to the Jungle

Sollte ich mich irgendwie abfällig über Klamotten-Shopping geäußert haben? Falls ja, so nehme ich alles zurück.

Wir kamen gestern mit dem Flieger aus Washington in Orlando an. Ein kurzer Schock: raus aus dem klimatisierten Flughafen, rein in 30 Grad Hitze. Knallende Sonne. Palmen. Aaaah, Florida.

Erster Stop: eine Outlet-Mall. Auf dem Weg dahin bekomme ich den Eindruck, als bestünde die ganze Stadt nur aus Outlets. Das relativiert die Erwartungen, vor allem an die Preise. Die Relativierung wird vor Ort schnell wieder relativiert. Alles ist BILLIG preisgünstig. Darauf gibt es dann noch mal 40% Rabatt, oder buy one get one for 50% usw. Jedes namhafte Label hat einen eigenen Shop, das Ganze ist größer als eine durchschnittliche deutsche Innenstadt. Kurz: ein Paradies für Gelegenheitsshopper wie mich.Eine doppelte Vollausstattung von Schuhen bis zur Unterhise im Wert von geschätzt 500 Euro wechselt den Besitzer für 150 Euro. Powershopping in wenigen Stunden, ich bin happy :o)

Mit dem Mietauto geht alles gleich viel einfacher – Gepäck und Kleinkram zurücklassen, Supermarkt, Motel, abends noch mal in „die Stadt“ fahren. Wir übernachten in Titusville. Hier gibt’s nichts, außer dem Kenedy Space Center. Daher auch das Motto der Stadt „Nature, History, Space“.

Und jetzt geht’s auf in die Unendlichkeit, und noch viel weiter!

Das Zentrum der Welt

Damals konnten sie es ja noch nicht gewusst haben, welche Rolle die amerikanische Nation einmal in der Welt spielen wuerde. Wenn wir heute durch die National Mall mit ihren majestaetischen Monumenten wandern und am Weissen Haus vorbeischlendern, dann koennen wir nicht anders als zu denken: hier haben die Amerikaner das Zentrum der Welt errichtet. Politisch, ideologisch, architektonisch. Die politische Macht erschlaegt mich aber deutlich weniger, als ich erwartet hatte. Die beeindruckenden Bauwerke, die noch intensivere Sicherheitspraesenz (in das Capitol duerfen wir nicht mal unsere Suessigkeiten mitnehmen), das laesst uns nicht vergessen, wo wir uns befinden. Die Sauberkeit und Ordnung ist beeindruckend.

Die Strassen der Stadt sind aber leer. Wenige Fussgaenger, wenig Verkehr. Sogar wenige Touristen, ausser an den optischen Hotspots Capitol und Lincoln Memorial, aber selbst am Weissen Haus halten sich nur ueberschaubare Gruppen auf. Washington wirkt an manchen Ecken wie ein Freizeitpark: man laeuft den ganzen Tag durch schoene Parks und an praechtigen Bauwerken vorbei, die man aber (aus Sicherheitsgruenden) nicht betreten kann – sie koennten genau so gut schoen bemalte Pappkulissen sein. Seit 9/11 gibt es statt der Originale vielerorts nur ein Visitors Center mit Fotos und ein paar Ausstellungsstuecken.

Der Besuch hier erinnert mich an meinen Abstecher zum Ayer’s Rock in Australien: man muss einfach dort gewesen sein, aber es erschoepft sich recht schnell. Uluru fand ich allerdings aufgrund seiner Naturgewalt beeindruckender, Washington ist eben voll durchkonstruiert und gewollt bombastisch.

Trotzdem: es lohnt sich. Und sicher lohnen wuerde sich auf ein Besuch in den Weltklassemuseen vom Smithsonian bis zum International Spy Museum. Aber dafuer haben wir mal wieder keine Zeit – drei Wochen sind einfach zu wenig fuer die Ostkueste… nunja, morgen frueh geht’s auf nach Florida, vielleicht kommt ja jetzt wirklich der Urlaubsteil des Urlaubs ;-)

Das Nachtleben in Washington scheint uebrigens ziemlich lebendig zu sein. Wir haben nur ein kleinen Eindruck bekommen, aber auf den Strassen war nachts deutlich mehr los als tagsueber, an einer Kreuzung beigeisterte eine komplette New Orleans Jazz Combo die Passanten, und die German Brewery war randvoll mit Liebhabern des wohlschmeckenden Maerzen – das allerdings nach unseren Massstaeben eher ein Leichtbier war.

Sailing thru‘ Philadelphia

You talk of Liberty.
How can America be free?

– Mark Knopfler

Liberty Freedom Independence Constitution. Wenn Boston die Stadt der Revolution ist, dann ist Philly die Stadt der Konstitution. Hier ist alles gepraegt von – und benannt nach – der Freiheit, der Verfassung, der Unabhaengigkeit. Wir hatten nur einen Tag (eher: einen Nachmittag) in Philadelphia, so dass wir nur einen kurzen Eindruck gewinnen konnten, aber vor der Independence Hall zu stehen, in der die Unabhaengigkeitserklaerung 1776 unterzeichnet wurde, oder die gerissene Liberty Bell zu sehen, das Symbol der Freiheit fuer schwarze wie fuer weisse Amerikaner, macht klar, wie aus so unterschiedlichen Staaten und Buergern ein Staat werden kann: hier liegen die Wurzeln der Grundwerte einer Nation, und zwar hoffentlich noch nicht begraben.

Piladelphia gibt einen Vorgeschmack auf Washington, mit einigen pompoesen und stilistisch an griechische Tempel angelehnten Gebaeuden, hat aber auch einen modernen Kern mit Wolkenkratzern. Klar haette man die Geschichte noch genauer studieren koennen, aber wir hatten nach unserem einen Tag das Gefuehl, das Wichtigste mitbekommen zu haben.

Realiticity

New York… is awesome!
– Chandler Bing

Es brauchte ein bisschen Zeit, bis ich mich an den Wahnsinn gewöhnt hatte: die Leute, der Lärm, der Verkehr, die Nacht taghell am Times Square und (eher im übertragenen Sinne) stockfinster schon in den Seitenstraßen der 5th Avenue… aber nun, nachdem wir eine Weile durch die Streets und Avenues von Manhattan gesurft sind, bin ich ein Fan geworden.

Als Fan muss man einfach in den nächsten Souvenir-Shop rennen und ein „I love New York“ T-Shirt kaufen (buy 5 for $10,99). Und eine Postkarte. Und einen Button. Und einen Kaffeebecher… na gut, irgendwann reichts. Aber wozu bei Abercrombie & Fitch teure Style-Klamotten shoppen, wenn ich für schlappe $5 eine hochwertige, maßstabsgetreue und mit fast echtem Goldstaub besprühte Nachbildung der Freiheitsstatue bekommen kann, die mich ein Leben lang an eine großartige Woche in der größten großartigsten Weltstadt der Welt erinnern wird?

Die Stadt hält im Übrigen genau, was sie verspricht: alles ist größer, mehr, wahnsinniger: die berühmtesten Hochhäuser, die meisten Taxis, die prächtigsten Geschäfte – sogar auf den Bagels ist mehr Cream Cheese als nötig. Dazu ein Coffee to go und ich bin so assimiliert, dass ich von unserer 7qm-Herberge in Chelsea in die Metro steigen und in mein Office fahren will.

Heute war die Metro kaputt. Die ganze Kreuzung füllte sich binnen Minuten mit Menschenmassen, die – wie Ameisen aus ihrem Bau – aus den unterirdischen Höhlen der U-Bahn an das ungewohnte Tageslicht hervorkrochen und sich in Busse quetschten. Die 40 Blocks hätten wir fast in der gleichen Zeit, die der überfüllte Bus in den ebenso überfüllten Straßen benötigte, zu Fuß laufen können, aber nach einem Tag rund um die 5th Avenue (Flat Iron, Empire State, Chrysler Building, Rockefeller Center, Grand Central Station, Guggenheim Museum, Tiffany’s, Apple Store :-) nicht laufen zu müssen war einfach zu verlockend.

Ja, wir machen das volle Touri-Programm. Auf dem Empire State Building bei Einbruch der Dunkelheit, das ist großes Kino. Das American Museum of Natural History war trotz filmverdächtiger Dinos kein Blockbuster. Bekannte Drucke von Suppendosen, Bilder, die (fast) ganz schwarz oder weiß sind, oder auch mal ein echter Van Gogh – das MoMA war für mich ein Überraschungshit. Nach einem richtig guten amerikanischen Burger haben wir bisher leider vergeblich gesucht…

Das Wochend(domi)zi(e)l der New Yorker ist übrigens völliges Kontrastprogramm: Long Island im Allgemeinen, und Motauk (Max Frisch lässt grüßen) im Speziellen. Nach drei Stunden entspanntem cruisen mit Tempomat kommt man in einen Ort, der seinen Spitznamen „The End“ zu Recht trägt. Hier gibt es nach urbanen Maßstäben… gar nichts. Klar: Meer, Leuchtturm, Mordswellen, Sandstrand, Sonnenuntergang. Aber keine hippen Shops, coolen Bars, schnieken Restaurants. Ein Kaff am Meer.

Direkt neben dieser malerischen Szenerie liegt Camp Hero, ein verlassener Air Force Stützpunkt mit dem größten noch stehendem Radarturm aus der Zeit des kalten Krieges – obwohl als Park aufbereitet absolut spooky, Moulder und Scully hätten ihre Freude bei den Nachforschungen über das Montauk Project.

Hier ist alles wie im Film. Jetzt weiß ich, wo diese ganzen Ideen herkommen. Es ist hier einfach so, wirklich!

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P.S.: Dieser Beitrag ist schon ein paar Tage alt, ich kam aber erst jetzt zum Veröffentlichen.

Laundorama

Es ist Waschtag. Drinnen wie draußen. Wir sitzen im Laundromat und warten, dass unsere Wäsche trocknet. Die leuchtende Neonschrift im Schaufenster surrt, wie ein Soundeffekt im Film. Die Stadt rauscht zur offenen Tür hinein. Taxis hupen auf den nassen Straßen. Eine Stretchlimo fährt vorbei. Telefonierende Girls mit breitem amerikanischem Akzent. Gröhlende Guys in weißen Tanktops und mit Basecaps. Der Duft von multikulturellem Essen (Steakhouse links, Chinese gegenüber, Pizza daneben, irgendwo ein Italiener). Ein tadellos geplegt aussehender Schwarzer bettelt mich an. Ein Latina legt ihre Wäsche. Ein Asiat schmeißt den Laden. Wie im Film. Das ist New York, heute abend. Unfassbar.
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The Liberty of NYC

New York, New York, is everything they say
and no place I’d rather be
Where else can you do half a million things
all at a quarter to three…

„The Heart of Rock & Roll“ – Huey Lewis & The News

Als wir mit dem Bus nach Manhattan reinfuhren überkam mich schon ein „großes“ Gefühl… blockweise ging’s die durchnummerierten Straßen hinunter, ich hatte Liedtexte und Filmzitate im Ohr. „Across 110th Street“ zu hören, während man die 110. Strasse überquert, das hat einfach was. Zumindest, wenn man zum ersten Mal in New York ist ;-)

Ich war etwas überrascht, wie heruntergekommen manche Ecken von Manhattan sind. Die ersten Schritte auf den überfüllten Straßen waren für mich zugegebenermaßen etwas wackelig. Ich bin ja nun kein Landei (mehr), aber das sind doch verdammt viele Menschen, die hier an einem vorbeirauschen. Wenn ich auf den ersten Blick aussehe, wie ein Tourist, dann fühle ich mich verwundbar. Nach etwas Akklimatisierung ging es dann aber. Wenn man sein Gepäck sicher untergestellt weiß, dann fühlt man sich schon nicht mehr ganz so entwurzelt…

billfrisellNach einem Spätnachmittag am neonbeleuchteten Times Square, in dessen Nähe wir vorerst wohnten, ging es Abends in die sehr gediegene New York City Winery. Ich hatte da mal was vorbereitet – nicht nur eine Tischreservierung, sondern gleichzeitig einen bühnennahen Sitzplatz für das Konzert von Bill Frisell, der inzwischen schon zu den Altmeistern der Jazzgitarristen gehört und seine charakteristische Mischung aus Avant Garde, Soundscapes und Country zum Besten gab – ein Konzertbericht folgt beizeiten. Zur Livemusik im eher clubgroßen Lokal ausgesuchten Wein und wohlkomponiertes Dinner zu genießen war perfekt, dagegen sind unsere Sitzreihen- oder Stehkonzerte echt ungemütlich. Der Abend war ein New York Highlight gleich zu Beginn.

statuesAm nächsten Tag sind wir dann auch zum regulären Touri-Programm übergegangen: Statue of Liberty, Ellis Island, World Trade Center & 9/11. Für die Bootstour zur Freiheitsstatue muss man in der Tat einen ganzen Tag einplanen (hōr‘ auf Deinen Reiseführer), aber es lohnt sich, wenn man die Zeit aufbringen kann. Die Geschichte des Kolosses der Freiheit wird interessant aufbereitert, der Blick von der Aussichtsplattform tritt dabei fast in den Hintergrund. Ellis Island war weniger spektakulär, versetzt den Besucher aber mit Zeitdokumenten in die Jahrzehnte der Masseneinwanderungen zurück.

Am früheren World Trade Center ist immer noch eine große, abgeschirmte Baustelle ohne erkennbaren Fortschritt; obwohl drumherum neue Wolkenkratzer entstehen ist vom Freedom Tower noch nichts zu sehen. Ein kleines, sehr modernes Informationszentrum stellt die Pläne für das 9/11 Memorial vor. Und morgen heute ist der 11. September… mal sehen, wie sich das in der Stadt bemerkbar macht.

beamWirklich beeindruckend war ein einfaches Denkmal: zwei Lichtstrahlen oder besser gigantische Lichtsäulen strahlen gen Himmel und erinnern an die beiden eingestürzten Wolkenkratzer. Schlicht, aber wirkungsvoll, Strahlen vom Himmel kennt man eigentlich nur aus SciFi-Filmen. Daher verwundert auch nur ein bisschen, dass am Ground Zero Aktivisten mit einem großen Schild die unbedarften Besucher über die wahren Hintergründe aufklärten: „Beam weapons destroyed the WTC“.

Revolution in Boston

Ein Reisebericht aus dem Bus nach New York – ja, hier haben sogar die Reisebusse freien WLAN-Zugang…

Unser Flug von Stuttgart via London nach Boston verlief reibungslos. American Airlines wird zwar nicht meine Lieblingsairline – keine Glotze direkt am Sitz, die Stewardessen waren bis auf eine nur mäßig aufmerksam, und der Gin Tonic sollte $6 kosten (SKANDAL!) – aber ihren wesentlichen Job (fliegen) haben sie gut gemacht.

In Boston wurden wir dann freundlichst empfangen, wir wohnten ja bei Verwandten, was zu so manchem Insider-Tip und ein paar exzellente Einladungen führte, z.B. ins „Top of the Hub“, ein Restaurant mit „nettem“ Panorama im 52. Stock des Prudential Center.

Boston selbst merkt man seine europäischen Wurzeln stark an. Vor allem ist die Stadt aber geprägt durch seine historischen Figuren, die eine große Rolle in der Revolution gegen das einst herrschende britische Empire spielten und deren Aktionen direkt zur Unabhängigkeit der USA führten. Namen wie Samuel Adams, John Hancock, Paul Revere, Benjamin Franklin begegnet man nicht nur auf historischen Touren (und ihren Grabsteinen), einige von Ihnen haben auch die Unabhängigkeitserklärung mit unterzeichnet. Auch ein Kind Bostons ist ein späterer Weltpolitiker, John F. Kennedy, und die Stadt stand noch sichtlich unter dem Eindruck des kürzlichen Todes seines jüngeren Bruders Teddy.

Boston ist von seinen Sehenswürdigkeiten wenig spektakulär, versteht es aber, seine Geschichte gut und interessant aufzubereiten. Der Freedom Trail, eine rote Linie, die sich an allen wichtigen Orten vorbei durch die Innenstadt zieht, war auch für uns eine Stadtführungsleitlinie. Boston ist eine Fußgängerstadt, aber ein leicht nutzbares U-Bahn-Netz („The T“) erleichtert die Langstrecken-Fortbewegung. Über einen Fahrpreis von $1,70 pro Fahrt können wir Stuttgarter nur schmunzeln.

Neben den historischen Gebäuden und Denkmälern war das New England Holocaust Memorial ein sehr beeindruckendes und gleichermaßen unaufdringliches Mahnmal. Sechs Glastürme symbolisieren die Kamine der sechs Vernichtungslager, sechs Millionen in das Glas eingeätzte Nummern erinnern an die Opfer, und Zitate von Überlebenden beeindrucken und berühren. Es ist die schönste Gedenkstätte dieser Art, die ich bisher gesehen habe.

Natürlich mussten wir auch Harvard einen Besuch abstatten (s. Foto). Der Campus der Traditions- und Eliteuniversität strahlt Ehrwürdigkeit aus, aber die Studenten von heute (20.000 studieren hier) machten auf den ersten Blick einen ganz normalen Eindruck. Vielleicht sollten wir von der HdM mal einen Austausch organisieren… ;-)

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PS: Dunkin‘ Donuts, Bruegger’s Bagel Bakery, Peanut Butter Cups – wir lieben die USA! :D